Es geht mir gut

In meinen Adern brennt das Blut.

Ich wisch' das Salz aus dem Gesicht.

„Habt keine Angst, es geht mir gut,

ihr braucht nicht fragen, nervt mich nicht.“

 

Ich grins' gequält und geh' nach Haus',

bevor die Lüge mich zerfrisst

und sperr' die ganze Menschheit aus,

damit sie endlich sich verpisst!

 

Mein Schädel dröhnt, ich schreie auf,

der Druck im Kopf ist reine Qual!

Zerschlag' den Schrank mit blanker Faust

und noch und noch und noch einmal!

 

An meinen Knöcheln klebt das Blut,

es stecken Splitter in der Haut,

doch mindert das nicht meine Wut,

die sich seit langem aufgestaut.

 

Fünf Jahre sind bereits vergangen,

doch immer noch beherrschst du mich.

„Was willst du noch von mir verlangen,

zerbrachst mich längst, genügt das nicht?“

 

Ich schrei' die Wut ins leere Zimmer

und lass' den Tränen freien Lauf.

Statt besser wird es immer schlimmer.

Warum nur hört der Scheiß nicht auf?

 

Mein Kopf ist längst ein Trümmerfeld,

was gestern war, ist morgen fort.

Warum zum Teufel dieser Welt,

verbleibt das Bild, das dir gehört?

 

Warum nur kann ich nicht vergessen,

so wie mir and'res stets entweicht?

Dein Bild bleibt stehen, wird stattdessen

erneut und abermals gezeigt!

 

Ich hass' es, will es nicht mehr sehen,

doch reicht zu oft ein einz'ges Lied,

das triggert dieses Bild und Tränen,

in deren Sog ich einst geriet.

 

„Warum, verdammt? Es kotzt mich an!

Verpiss' dich schon, verflucht nochmal!

Jetzt lass' mich gehen, denn ich kann

sie nicht ertragen, diese Qual!“

 

„Wie lange muss ich dich noch kennen?

Wie lange noch dein Bildnis sehen?

Wie oft noch deinen Namen nennen?

Wie oft noch wütend vor mir stehen?“

 

Ich presse zitternd beide Hände

an meine Schläfen, will nichts wissen,

und schlag den Schädel gegen Wände,

mir geht's doch gut und nicht beschissen?!

 

„Ich fleh' dich an, verschwinde bitte,

aus meiner viel zu kleinen Rübe,

sonst find' ich nie mehr meine Mitte

und aus der gottverdammten Lüge!“

 

Denn eigentlich bin ich der Mann,

an den mein Hass sich täglich wendet,

weil ich dich nicht vergessen kann

und dieser Schmerz in mir nicht endet.

 

Was soll ich tun? Ich bin so müd'

vom steten Kampf in meiner Seele.

Die Augen längst schon tränentrüb

und ausgeschrien meine Kehle.

 

Ich schließ' die Lider, schlafe ein,

beruhigt ist mein wall'ndes Blut.

Und wenn du morgen wieder fragst,

dann sag ich: „Schau, es geht mir gut…"

 

© Dark Xperience

it? Teil it!



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Kommentare: 1
  • #1

    BUERI WAIGNER (Sonntag, 18 März 2018 11:32)

    Doch, sehr vom Selbstmitleid bewegt, scheinen mir diese und deine Zeilen.
    Wer Austeilt, muss, wird auch Einstecken. Jamer, Verlustschmerz laesst dich ueberwinden. Freu - Gottlib, und Freu. Gruss. ....

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